Eine Krankmeldung wird eingereicht – ein Kollege oder eine Kollegin fällt aus. Vielleicht für ein paar Tage, vielleicht für mehrere Wochen. Für viele Unternehmen ist das zunächst ein organisatorisches Problem: Wer übernimmt die Aufgaben? Wie halten wir den Betrieb aufrecht?
Doch genau hier lohnt sich ein Perspektivwechsel. Denn Krankschreibungen sind weit mehr als nur eine Personalfrage. Sie sind ein wertvoller Hinweisgeber – manchmal sogar ein stummer Hilferuf. Wer bereit ist, genauer hinzuschauen, erkennt: In jeder Krankmeldung steckt auch die Chance, die eigene Unternehmenskultur zu hinterfragen und nachhaltig zu stärken.
Was steckt hinter der Krankschreibung?
Natürlich gibt es akute Infekte, körperliche Beschwerden oder chronische Erkrankungen, die unabhängig vom Arbeitsumfeld auftreten. Aber in vielen Fällen – gerade bei längeren oder wiederkehrenden Krankschreibungen – sind die Ursachen vielschichtig:
- Psychische Belastung durch zu hohe Anforderungen
- Ein Mangel an Anerkennung oder Entwicklungsmöglichkeiten
- Dauerstress durch Unterbesetzung
- Unklare Rollen, fehlende Kommunikation, Konflikte im Team
- Ein Klima, in dem Pausen oder Schwäche nicht erlaubt sind
Viele Mitarbeitende greifen erst zur AUB, wenn sie innerlich schon längst über ihre Grenzen gegangen sind. Dann ist die Auszeit kein bloßes Symptom mehr, sondern ein Warnsignal.
Krankschreibung als stilles Feedback
Was wäre, wenn wir Krankschreibungen nicht als Ausfall, sondern als Feedback sehen würden? Als ein Zeichen, dass etwas im System nicht mehr trägt. Dass ein Mensch an seiner Belastungsgrenze angekommen ist – oder bereits darüber hinaus.
Eine hohe Krankenquote sollte Führungskräfte und Entscheider*innen nicht besorgen, sondern neugierig machen. Was brauchen unsere Mitarbeitenden wirklich, um gesund, motiviert und leistungsfähig zu bleiben? Wo erzeugen Strukturen oder Erwartungen vielleicht ungesunden Druck?
Der Schlüssel: Bewusstes Führungsverhalten.
Führungskräfte spielen hierbei eine zentrale Rolle. Denn sie sind oft die ersten, die wahrnehmen (oder übersehen), wenn Mitarbeitende sich zurückziehen, unkonzentrierter oder stiller werden, oder plötzlich häufiger krank sind.
Gesunde Führung bedeutet, diese Signale nicht zu ignorieren, sondern mit Empathie und Klarheit anzusprechen:
- Regelmäßige Mitarbeitergespräche führen – nicht nur bei Problemen
- Individuelle Belastung ernst nehmen – statt mit „Augen zu und durch“ zu antworten
- Gesundheit als Führungsaufgabe begreifen – und Vorbild sein
Was Unternehmen konkret tun können:
Wo Fürsorge gelebt wird, wächst nicht Nachgiebigkeit, sondern echtes Vertrauen und Stabilität.“ Hier ein paar wirksame Schritte:
Offene Gesprächskultur etablieren
Mitarbeitende sollen wissen: Ich darf sagen, wenn mir etwas zu viel wird – ohne Angst vor Nachteilen.
Angebote zur psychischen Gesundheit schaffen:
Workshops, Einzel-Coachings, Resilienztrainings – präventiv statt erst bei Burnout.
Führungskräfte sensibilisieren und schulen
Empathie, Konfliktlösung, mentale Gesundheit – das gehört zur modernen Führung dazu.
Arbeitsbedingungen reflektieren.
Sind die Erwartungen realistisch? Sind Aufgaben klar verteilt? Gibt es ausreichend Pausen- und Erholungszeiten?
Jede Krankschreibung ist eine Geschichte. Vielleicht von Überforderung. Vielleicht von einem nicht gesehenen Bedürfnis. Oder von Strukturen, die krank machen, statt zu stärken.
Wenn Unternehmen bereit sind, hinter die Zahlen zu schauen und ihre Kultur zu hinterfragen, entsteht Raum für echte Veränderung. Für mehr Gesundheit – im Menschen wie im System.
Denn am Ende geht es darum, krankheitsbedingte Ausfälle zu minimieren. Und auch, Räume zu schaffen, in denen Menschen gerne, erfüllendund gesund arbeiten.
Melde dich gerne bei mir – ich freue mich auf dich! Petra Kuth
info@petra-kuth.de oder Telefon: 02931 – 7999416