Die Geburt ist der erste Schritt ins Leben eines jeden Menschen und doch kann dieser Moment für manche bereits die Grundlage für seelische und körperliche Belastungen legen. Ein Geburtstrauma ist ein tiefgehendes Erlebnis, das nicht nur durch die Geburt selbst, sondern auch durch Begleitfaktoren wie Komplikationen oder unzureichende Unterstützung während der Geburt geprägt sein kann. Doch was genau ist ein Geburtstrauma und wie beeinflusst es das Leben eines Menschen? Dieser Beitrag beleuchtet das Thema aus psychologischer Sicht und geht der Frage nach, wie Geburtstraumata entstehen, welche Symptome sie hervorrufen können und welche therapeutischen Ansätze helfen, diese zu verarbeiten.
1. Was ist ein Geburtstrauma?
Der Begriff „Geburtstrauma“ bezeichnet ein emotionales, psychisches oder körperliches Trauma, das während der Geburt oder im Zusammenhang mit der Geburtserfahrung entsteht. Für die betroffenen Menschen kann dies tiefgreifende Auswirkungen auf das weitere Leben haben. Während das Geburtserlebnis für viele Eltern eine freudige Erinnerung darstellt, kann es bei anderen mit Schock, Angst und Stress verbunden sein. Die körperlichen Belastungen, die mit der Geburt einhergehen, wie zum Beispiel schmerzhafte Eingriffe oder unvorhergesehene Komplikationen, können in Verbindung mit emotionalen Belastungen ein Trauma auslösen.
Ein Geburtstrauma kann sich sowohl auf die Mutter als auch auf das Kind beziehen. Bei der Mutter können medizinische Eingriffe, wie ein Kaiserschnitt oder eine schwierige Geburt, die zu langem Wehenstress oder unvorhergesehenen Komplikationen führen, als traumatisch erlebt werden. Auch die emotionale Belastung einer Geburt, bei der das Gefühl der Kontrolle oder Unterstützung fehlt, kann einen langfristigen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben.
Für das Kind können eine schwierige Geburt oder ein schwieriger Start ins Leben ebenfalls traumatische Auswirkungen haben. Hierbei spielen insbesondere Sauerstoffmangel oder gesundheitliche Komplikationen eine Rolle. Ein Geburtstrauma beim Kind kann sich in den ersten Lebensjahren bemerkbar machen und das Verhalten und die Entwicklung beeinflussen.
2. Symptome eines Geburtstraumas
Die Auswirkungen eines Geburtstraumas zeigen sich nicht immer sofort, sondern können sich über Jahre hinweg entfalten. Besonders häufig sind die Symptome auf psychischer Ebene spürbar und äußern sich durch Angstzustände, Panikattacken oder posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Bei Betroffenen kann eine tiefe Ängstlichkeit in Bezug auf Geburtserfahrungen oder das Thema „Mutterschaft“ bestehen, die mit der eigenen Geburtserfahrung in Verbindung stehen.
Psychologische Symptome können auch in Form von Albträumen, Flashbacks oder intensiven Erinnerungen an das Geburtserlebnis auftreten. Die betroffenen Personen können das Gefühl haben, die Geburt immer wieder zu erleben oder sich machtlos den belastenden Erinnerungen ausgesetzt zu sehen. Diese Symptome sind besonders bei Frauen häufig, die während der Geburt schwere Eingriffe oder traumatische Erfahrungen gemacht haben.
Aber auch körperliche Symptome können mit einem Geburtstrauma einhergehen. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, anhaltende Erschöpfung oder Probleme mit der körperlichen Gesundheit können durch die emotionalen und physischen Belastungen entstehen, die mit einem traumatischen Geburtserlebnis verbunden sind.
3. Ursachen und Entstehung von Geburtstraumata
Die Entstehung eines Geburtstraumas ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Einer der Hauptfaktoren ist die Art der Geburt selbst. Wenn es während der Geburt zu Komplikationen wie einem Kaiserschnitt, einer verlängerten Geburt oder einem Geburtsstillstand kommt, können diese Ereignisse als traumatisch wahrgenommen werden. Ein weiteres Risiko für das Entstehen eines Geburtstraumas ist, wenn sich die Mutter in einer stressigen oder unterstützungslosen Umgebung befindet, in der sie das Gefühl hat, keine Kontrolle über den Geburtsprozess zu haben.
Ein weiteres entscheidendes Element bei der Entstehung eines Geburtstraumas ist die emotionale Verfassung der Mutter vor und während der Geburt. Menschen, die bereits mit Ängsten oder traumatischen Erfahrungen zu kämpfen haben, können in einer schwierigen Geburtserfahrung besonders stark belastet werden. Auch das Fehlen einer einfühlsamen, unterstützenden Begleitung kann die Wahrnehmung der Geburt als traumatisch verstärken.
Für das Neugeborene können Geburtstraumata durch physische Belastungen wie eine schwierige Entbindung oder durch medizinische Eingriffe entstehen, die während der Geburt notwendig waren. Sauerstoffmangel oder mechanische Verletzungen können langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben, was sich in Verhaltensauffälligkeiten oder in einer Verzögerung der Entwicklungsprozesse äußern kann.
4. Langfristige Auswirkungen und psychologische Folgen
Die langfristigen Auswirkungen eines Geburtstraumas sind vielfältig. Bei Müttern kann es zu einer verzögerten Bindung zu ihrem Kind kommen, was als „postnatale Depression“ bekannt ist. Frauen können das Gefühl haben, von ihrem eigenen Kind distanziert zu sein, obwohl sie gleichzeitig tiefe Schuldgefühle wegen dieser Distanz empfinden.
Bei den betroffenen Kindern, vor allem bei solchen, die während der Geburt schwere Komplikationen erlitten haben, kann sich das Trauma in Form von Ängsten, Schlafstörungen oder einer beeinträchtigten Fähigkeit zur Selbstregulation äußern. Kinder, die während ihrer Geburt oder in den ersten Lebenswochen traumatische Erfahrungen gemacht haben, können als Erwachsene eine erhöhte Anfälligkeit für Angststörungen, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen entwickeln.
Die Eltern-Kind-Beziehung kann durch diese traumatischen Erlebnisse auf lange Sicht belastet werden. Es kann zu Konflikten und Missverständnissen kommen, die oft auf den verarbeiteten Geburtstrauma zurückzuführen sind.
5. Therapeutische Ansätze zur Heilung
Ein Geburtstrauma zu verarbeiten ist ein langwieriger Prozess, der Zeit, Unterstützung und manchmal auch professionelle Hilfe erfordert. Eine therapeutische Begleitung, wie zum Beispiel eine Traumatherapie oder eine systemische Therapie, kann dabei helfen, die Erlebnisse zu bearbeiten und neue Perspektiven auf die Geburt und die damit verbundenen Erfahrungen zu gewinnen.
Ebenso wichtig ist die psychoedukative Unterstützung, um den betroffenen Eltern und Kindern zu helfen, das Erlebte besser zu verstehen und anzunehmen. Gruppenangebote oder Austausch mit anderen betroffenen Eltern können eine wertvolle Unterstützung bieten und helfen, die Isolation zu überwinden.
Ein Geburtstrauma kann die ersten Lebensjahre eines Menschen erheblich beeinflussen und Auswirkungen auf die physische sowie psychische Gesundheit haben. Doch durch frühzeitige Erkennung, die richtige therapeutische Begleitung und eine achtsame Verarbeitung können Heilungsprozesse eingeleitet werden. Es ist wichtig, das Thema Geburtstrauma offen anzusprechen und nicht zu verharmlosen. Jeder Mensch hat das Recht auf eine gesunde und unterstützende Geburtsgeschichte – für sich selbst und für das Neugeborene.
Melde dich gerne bei mir – ich freue mich auf dich! Petra Kuth
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